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02.04./03.04.2022

KRIEG IN DER UKRAINE UPDATE 02.04./03.04.2022

Vielen Dank für Ihr Interesse an unserem Kinderheimhilfeverein!
Ich fasse die Informationen der letzten beiden Tage hier kurz zusammen:

38 bzw. 39 Tage Krieg in Europa - und zum 6ten Mal muss ich schreiben: der Krieg kennt keinen Sonntag.

Die letzten beiden Tag waren geprägt vom Rückzug der russischen Truppen aus den Vororten von Kiew, allerdings nicht nach Hause sondern hin zu den östlichen Gebieten, in denen man in absehbarer Zeit eine große Offensive erwarten muss.
Und wie wird es dann weitergehen mit dem Kinderheim?
In Saporoshshje sind aktuell über 50.000 Flüchtlinge weitgehend aus Mariupol. Die russischen Truppen stehen im Süden nicht einmal 10km entfernt.
Auf der unten angefügten Karte sieht man, wie bedrohlich die Lage ist.
Wie wird es in den nächsten Tagen weitergehen? Werden die russischen Truppen versuchen, die Verbindung zwischen Krim und Donbas noch zu verbreitern?
All diese Unwägbarkeiten haben nun Stadtverwaltung und Kinderheimleitung bewogen, weitere Maßnahmen zu ergreifen:
- 20 weitere, schwerstbehinderte Kinder wurden in ein Stadtkrankenhaus transportiert
- die 10 Kinder, die noch in der Palliativabteilung waren, wurden ebenfalls in einer Kinderklinik untergebracht
- einige Kinder wurden von Verwandten abgeholt
- aktuell wohnen noch 22 Kinder im Alter bis 1 Jahr, 60 Kinder im Alter von 1 bis 3 und 10 Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren im Kinderheim.

Die letztgenannten 92 Kinder werden nun Anfang nächster Woche evakuiert. Die Heimleitung bemüht sich darum, dass diese Kinder natürlich zusammen oder zumindest in der Nähe der bereits am 15. März evakuierten Kinder in der Nähe von Lemberg untergebracht werden können; auch wenn es dabei zur Zeit noch Probleme gibt, sind wir zuversichtlich, dass dies auch gelingt.
Eine "Behelfsunterkunft" für 200 Kinder fast 2000 km von "zuhause" entfernt ist natürlich auch nicht so leicht zu planen.
Anfang der Woche werde ich neue Informationen darüber erhalten.

Julia wird sich ebenfalls in der nächsten Woche nach Lemberg aufmachen, um bei den 100 SONETSCHKO Kindern "nach dem Rechten" zu schauen und die Ankunft der neuen so gut es geht vorzubereiten. So ist zumindest der Plan.

Die beiden Tage waren relativ ruhig in Saporoshshje, sieht man vom Flugalarm ab, den meine Helferinnen vor Ort gar nicht mehr von sich aus mitteilen; nur auf Nachfrage: "Natürlich den ganzen Tag immer wieder Sirenen."

Ab Samstag, 17 Uhr, herrscht wieder Ausgangssperre über den Sonntag hinweg bis Montag morgen, 6 Uhr. Wie letzte Woche bedeutet das für das Personal im Kinderheim, dass auch im Kinderheim übernachtet werden muss. Nach Hause gehen und Schichtwechsel ist dann erst am Montag morgen wieder möglich.

Wir hören immer wieder von den füchterlichen Kämpfen um Mariupol. Heute gibt es eine Geschichte dazu.
Xenia, eine meiner Helferinnen und Kinderpflegerin im Kinderheim, trifft heute vor dem Kinderheim Anna und ihren nicht einmal einjährgen Sohn Sascha, die nach tagelanger Reise aus Mariupol Schutz im Kinderheim suchen. Natürlich wird ihnen dieser gewährt - ja mehr noch. Xenia besorgt ihnen Unterschlupf bei Freunden; und wir veranlassen, dass sie den beiden Medikamente, Essen und Getränke kauft. Um Kleidung kümmert sie sich auch. Der Vater ist im Bombenhagel von Mariupol ums Leben gekommen.

Arthur bekommt Zähne. Seine Krampfanfälle wurden immer schlimmer und schlimmer, sodass eine neuerliche Untersuchung notwendig wurde. Auch wenn das Ergebnis einfach klingt (Arthur bekommt 3 neue Zähne), so ist dies für diesen 12jährigen schwerstbehinderten Buben eine Tortur. 3 Milchzähne müssen operativ entfernt werden, das geht nur mit Vollnarkose, da epileptische Anfälle wahrscheinlich sind. Die Zahn-OP wird Ende der Woche stattfinden. Wir hoffen das Beste.
Aufgrund dieses operativen Eingriffs und des ohnehin schon kritischen Gesundheitszustandes wird Arthur zusammen mit seiner Mutter danach eine einwöchigen Rehabilitation im Kinderzentralkrankenhaus im rund 80km entfernten Dnipro antreten. Die Fahrt dorthin gilt es noch zu organisieren.
Selbstverständlich übernehmen wir für beide medizinischen Behandlungen die Kosten.

Wir hoffen, dass unsere Kinderheim-Stadt Saporoshshje die Nacht gut übersteht und nicht angegriffen wird.
Wir hoffen, dass auch am Standort bei Lemberg nichts passiert.

Überdies hoffen und beten wir, dass dieser Krieg bald endet. Sehr bald.