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13.03.2022

KRIEG IN DER UKRAINE UPDATE 13.03.2022

Vielen Dank für Ihr Interesse an unserem Kinderheimhilfeverein!
Danke auch für all Ihre Unterstützung, die uns auch gestern wieder erreicht hat! Auch die vielen mitfühlenden eMails und whatsapps haben mich sehr gefreut. Das Video meiner Klasse 6b, bei dem jedes Kind ein selbstgemaltes Herz in den Ukrainefarben hält, war auch toll. DANKE euch und Ihnen allen.

Ich fasse die Informationen des Tages hier kurz zusammen:

17 Tage Krieg. Jeder davon war zuviel.
Und kein Ende in Sicht.

Wie ja gestern bereits befürchtet, war es heute tagsüber nicht mehr ruhig - Luftalarm. Und gegen nachmittag gab es die ersten Detonationen in der Stadt. Die Bürger der Stadt werden zusätzlich übers Handy darüber informiert (siehe Foto unten).
Für Stunden sind meine Kontakte nicht erreichbar, nur sporadisch gehen Nachrichten in beide Richtungen durch.
Arthurs Mutter schreibt mir: "Es gab wieder die Sirenen, wir gehen auf den Flur, da ist es sicherer. Das Haus dürfen wir nicht verlassen, und wir dürfen kein Licht im Fenster anzeigen. Also decke ich in der Küche neben den Vorhängen auch mit einer Decke ab, ich muss Arhur füttern. Wieder einmal wird mir klar, dass Arthur nicht flüchten kann, er wird sofort krank, weil er ein stabiles Temperaturregime braucht."

Nachdem ich die Information erhalten habe, dass man schon in der früh von Saporoshshje aus fliegende Granaten beobachten kann, werde ich aktiv. Ich kontaktiere die Heimleitung, selbige die Stadtverwaltung. Die Lage ist ernst. Die Stadtverwaltung entscheidet, eine Evakuierung des Kinderheims zu erwägen, wenn ein Dokument meinerseits vorliegt, das besagt, dass meine Stadt/mein Kreis die Kinder aufnehmen und medizinisch versorgen kann. Ab sofort gühen die Drähte, die Stadtoberhäupter der Stadt Aschaffenburg, OB Jürgen Herzing, Bürgermeisterin Jessica Euler und der Chef des Katastropenschutzes Michael Steiner geben mir zwar das "OK", können aber nur mit dem Einverständnis der Regierung von Unterfranken eine definitive Zusage geben. Diese wird, so hoffe ich, zeitnah erfolgen.

Diese Zusage ist unabhängig davon wichtig, ob das Kinderheim tatsächlich evakuiert werden kann. Es gibt, wie schon mehrmals erwähnt, hierbei massive Probleme:
- Mehr als 100 Kinder sind behindert, teils schwerbehindert; 60 sind als transportunfähig eingestuft. Diese Kinder haben eine 1:1 Betreuung. Wer begleitet diese Kinder? Die Frauen aus dem Personal haben eigene Familien zu Hause. Es wird einen Personalmangel geben!
- Bis jetzt waren Fluchtkorridore immer 5 Stunden geöffnet, auch wenn die Realität ganz anders aussah. Wie weit kommt der "Kinderheim-Konvoi" in 5 Stunden? Bis an die polnische Grenze bräuchte man in Friedenszeiten 16-20 Stunden. Wer nimmt die Kinder nach z.B. 5 Stunden dann, wo auch immer, auf?
- Aus Sicherheitsgründen könnten nur kleine Straßen und Feldwege befahren werden; eine zustätzliche Gefahr, da ja bis zur polnischen Grenze fast 1900 km zurückgelegt werden müssten.
- Wie soll unterwegs die medizinische Versorgung sichergestellt werden? Viele Kinder werden über Sonden ernährt, es gibt an Leukämie erkrankte Kinder und Tschernobyl-Kinder.
Probleme über Probleme, die hier gelöst werden müssen - hoffen wir, dass die richtigen Entscheidungen getroffen werden.

Es nutzt also nichts, wenn ich mit 10 Bussen an der polnischen Grenze warte und wenn ich das Dokument der Regierung von Unterfranken in Händen halte. Das Kinderheim muss diese wahnsinnig weite Strecke unter den oben geschilderten Bedingungen zurücklegen.
Es ist nicht abzusehen, wie die Sicherheitslage in den nächsten Tagen sein wird.

Wir müssen abwarten.

Lena, die Frau meines Freundes, Fahrers und Übersetzers Sascha vor Ort hat ihren Sohn nach Berlin in Sicherheit gebracht. Da sie ihren älteren Sohn und ihren Mann nicht alleine in der Ukraine zurücklassen möchte, kehrt sie in den nächsten Tagen in die Ukraine zurück und hat mir angeboten, Medikamente mitzunehmen. Ich habe mir natürlich sofort Listen benötigter Medikamente zukommen lassen. Mehrere große Kisten (siehe Fotos) sind gerade auf dem Weg nach Berlin und dann bald in die Ukraine. Herzlichen Dank an Lena, wir hoffen und beten, dass unterwegs alles gut geht.

Ein paar Einkäufe gab es heute wieder im Kinderheim - sogar das ukrainische Militär hat dabei mitgeholfen! (siehe Fotos)


Es geht auf Mitternacht zu. Gerade schreibt mir Xenia, die Kinderpflegerin: "ich kann nicht schlafen, ich habe Angst, dass ich aufwache und erschossen werde, ich habe Angst um meine Tochter Lisa."
Was für eine schreckliche Situation. Unfassbar. Unmenschlich.

Und so hoffe ich, dass die Nacht vergeht und "meinem" Kinderheim nichts passiert, die Pflegerinnen leben und gesund sind und sich morgen wieder um die Kinder kümmern. Und ich hoffe, dass ich auch mal ein bisschen schlafen kann, da mich die Situation, die Mitteilungen meiner vielen ukrainischen Bekannten und Freunde sowie Infos aus dem Kinderheim und von den Kinderreichen Familien natürllich auch schwer mitnehmen und zeichnen.

Wir hoffen und beten, dass dieser Wahnsinn bald endet.